2.11.2021
2 min
Elisabeth Probst, M.A.

Kunst aus dem Drucker

Plastiken aus Plastik und faszinierende Digitalwelten: Im Rahmen des RLB Kunstpreises 2020 zeigt das Ferdinandeum Werke von Oliver Laric.

Scannen, bearbeiten, ausdrucken und fertig ist das Kunstwerk. Eine Plastik aus Plastik, wenn man so will, frisch aus dem 3D-Drucker. Was würden wohl die Künstler*innen dazu sagen, die das Original einst in Handarbeit modelliert und gestaltet haben?

Original vs. Kopie

Oliver Laric nimmt kunsthistorische Skulpturen und Objekte und scannt ihre Form und ihre Proportionen mithilfe einer speziellen Technik. Anschließend bearbeitet er die dreidimensionale Vorlage am Computer, verformt und verzerrt sie oder entfernt einzelne Teile davon. Per 3D-Drucker druckt er den fertigen Entwurf aus. Was dabei herauskommt, sieht dem Original mal zum Verwechseln ähnlich, mal sind die Abweichungen der beiden Werke auf den ersten Blick ersichtlich und spätestens wenn man die Skulpturen aus nächster Nähe betrachtet, sind die Unterschiede nicht mehr zu leugnen. Denn Oliver Larics Plastiken bestehen aus Kunststoff. Meist werden mehrere Materialien kombiniert, oft sind sie hell wie Marmor oder schimmern wie Perlmutt. Im Gegensatz zum Stein, Metall oder Holz, aus dem ihre historischen Vorlagen sind, sind die Drucke leicht, sie wirken zerbrechlich, vor allem, wenn Teile davon gleichmäßig mit Löchern durchzogen sind.

Ironisches Spiel

Mit seinen Werken transportiert Oliver Laric kunstgeschichtliche Objekte in die Gegenwart. Allein die Herstellungsmethode sorgt dabei für eine Neuinszenierung der historischen Vorlagen und macht aus den Drucken mehr als eine Kopie. Aber wo hört die Kopie eigentlich auf und fängt ein Original an? Dergleichen Fragen stellt man sich vielleicht, wenn man Larics Skulpturen im direkten Nebeneinander zu ihren Ausgangsobjekten betrachtet, wie es auch im Rahmen der Sonderausstellung im Ferdinandeum der Fall sein wird. Denn dem Tiroler Künstler geht es keineswegs darum, mit seinen Werken von früheren Epochen zu erzählen. Vielmehr spielt Raditsch in seiner Herangehensweise mit Urheberschaft und Authentizität. Seine Plastiken stellen unseren Umgang und unser Verständnis mit Autorenschaft in Frage.

Offener Austausch

In einem Online-Projekt nimmt die Idee des Tiroler Künstlers noch größere Dimensionen an. Auf der Website threedscans.com veröffentlicht Laric bereits seit 2012 verschiedenste Scans von Skulpturen und historischen Objekten. Die detaillierten Vorlagen für einen 3D-Druck der selbigen stehen frei zum Download bereit. Daneben dokumentiert die Website, wie die Benutzer*innen die Scans verwendet, erweitert oder interpretiert haben. Mal werden Dimensionen, mal Farben und Material verändert, während Videoclips und -spiele, Architekturmodell und reale Räume die „Kopien“ in einem neuen Kontext zeigen. Oliver Laric versteht Kunst als offenen Austausch. Mit der Website trägt er dieses Ideal in die Öffentlichkeit. Und er mischt sich auch selbst in diesen Austauch ein: Die Vorlagen für die Produktion seiner 3D-Modellierungen sind ebenfalls Teil der frei verfügbaren digitalen Sammlung.

Premiere

Für seinen gesellschaftspolitischen Ansatz und seinen besonderen Umgang mit unterschiedlichen kunstgeschichtlichen Epochen wurde Oliver Laric 2020 mit dem RLB Kunstpreis ausgezeichnet. Im Rahmen des Hauptpreises präsentieren die Tiroler Landesmuseen nun sowohl ausgewählte Skulpturen als auch zwei eindrückliche Videoarbeiten des Künstlers. Unter Letzteren findet sich auch ein neues Projekt, das im Rahmen der Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Die Ausstellung „RLB Kunstpreis: Oliver Laric“ ist noch bis 7. November 2021 im Ferdinandeum zu sehen.

Autorin

Elisabeth Probst, M.A.

 
Elisabeth Probst
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