Am 6. Juli hat im Ferdinandeum die Ausstellung zum RLB Kunstpreis 2022 eröffnet. Die Hauptpreisträgerin heißt Anna-Maria Bogner. Ihre Werke beschäftigen sich mit Räumen, deren Grenzen, deren Wahrnehmung und dem, was dazwischen liegt.
1984 in Schwaz geboren und in Brixlegg aufgewachsen, studierte Anna-Maria Bogner an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Heute lebt und arbeitet sie in Düsseldorf. Nach Ausstellungsprojekten in Göttingen, Brüssel, Graz, Los Angeles und Budapest kehrt sie für „Ergo“ nach Tirol zurück. Die gezeigten Zeichnungen und eine Installation hat die Künstlerin individuell für die Schau entwickelt. Wie typisch für ihre Werke ist der Ausstellungsraum selbst Bestandteil der Kunst, als Rahmen, thematische Vorgabe, Kulisse. Wie Farbe, Papier und Gummiband fließt auch seine Beschaffenheit direkt in die Arbeiten ein. Das Ergebnis lässt gewohnte Blickwinkel kippen, bringt starre Wahrnehmungsmuster in Bewegung und lädt zum Spiel mit den eigenen und anderen Sichtweisen.
Frau Bogner, was ist Raum?
Anna-Maria Bogner: Ich erkläre das ganz gerne über den deutschsprachigen Begriff, wo sich Raum nur über Grenzen formuliert. Wir hören „Raum“ und assoziieren die Box oder das Zimmer. Aber Raum ist viel mehr. Das englische Äquivalent „space“ zum Beispiel definiert sich über gar keine Grenzen. Im Deutschen ist das so nicht verankert, da dominiert der umschlossene Raum. Wenn wir uns Raum vorstellen, setzen wir uns im Kontext der deutschen Sprache gerne in die Box. Ich versuche diese Box aufzulösen und es Betrachter*innen möglich zu machen, Raum als etwas Grenzenloses, Unendliches, vielleicht auch Indifferentes wahrzunehmen, als etwas, das vielleicht gar nicht so viel mit diesem materiellen Raumbegriff zu tun hat.
Als gebürtige Tirolerin sind Sie selbst Teil der beschriebenen Wahrnehmungskultur. Wie gelingt es Ihnen, Ihre künstlerische Sichtweise dem Ausstellungspublikum zu vermitteln?
Da bin ich sehr rational, sehr logisch. Ich bin geboren in dieser deutschen Sprachkultur und wenn ich an Raum denke, denke ich auch an eine Box. Deswegen ist der Startpunkt in meinen Zeichnungen eine Schachtelkonstruktion. Sie bietet Betrachter*innen so etwas wie den Trigger zum dreidimensionalen Sehen. Die Zeichnungen sind ein Angebot, diesen Raum zu durchschreiten, ihn zu öffnen, ihn umzudenken und so aus der Box herauszutreten.




