Grafik mal anders: Wer die Präsentationen der Grafischen Sammlung kennt, weiß, dass hier häufig historische Blätter gezeigt werden, die uns noch heute über das handwerkliche Geschick und die meisterhaften Darstellungsweisen von Kupferstechern und Künstler*innen längst vergangener Zeiten staunen lassen. Im Zuge der dritten Präsentationsrunde 2022 schlägt die Sammlung allerdings eine neue, ja zeitgenössische Richtung ein und zeigt Arbeiten von deutschsprachigen, hauptsächlich noch lebenden Künstler*innen.
Moderne Grafiken
An die 30 Grafiken werden unter dem Titel „In Obhut genommen“ im Ferdinandeum präsentiert. Bei den Ausstellungsstücken handelt es sich überwiegend um jüngere Arbeiten auf Papier. Meist stammen sie von Künstler*innen aus dem deutschsprachigen Raum. Die Liste der Namen ist lang und die Wahrscheinlichkeit, darunter auf einen bekannten zu treffen, hoch. Neo Rauch steht hier neben Hermann Nitsch, Georg Baselitz neben Martha Jungwirth. Doch selbst, wer mit diesen Künstler*innen wenig anfangen kann, darf sich von den Werken in der Ausstellung begeistern lassen. Die Vielfalt ist groß und Abwechslung garantiert. Schlendern Sie durch und entdecken Sie, welche Facetten die Grafik der Moderne entfaltet.
In Obhut genommen
Tatsächlich sind die Blätter, die bei der neuen Präsentation gezeigt werden, erst seit Kurzem Teil der Grafischen Sammlung der Tiroler Landesmuseen. Zu verdanken ist der hochkarätige Neuzugang dem Ehepaar Karlheinz und Agnes Essl. Als großzügiges Geschenk aus der Privatsammlung Essl wurden die Werke in den Bestand aufgenommen. „Die Kunstsammlungen der Tiroler Landesmuseen verdanken ihre Bestände überwiegend den Zuwendungen von Bürgerinnen und Bürgern, deren Liebe zur Kunst von dem Anspruch begleitet wird, ihre Kunsterlebnisse mit der Allgemeinheit zu teilen“, erklärt Sammlungsleiter Ralf Bormann. Die Sammlung Essl blickt heute auf ein halbes Jahrhundert Geschichte zurück. Sie gilt als bedeutendste Sammlung österreichischer Kunst der Nachkriegszeit und reiht sich unter den wichtigsten Sammlungen für Gegenwartskunst in Europa ein. Neben grafischen Arbeiten umfasst sie auch Gemälde, Fotografien, Skulpturen und Objekte. „Daher ist es ein besonderer Glücksfall, dass Karlheinz und Agnes Essl unseren Sammlungsbestand um unverzichtbare Positionen der zeitgenössischen Kunst bereichert haben“, ergänzt Bormann.