15.4.2026
4 min
Mag.a Manuela Fritz

Barrierefreiheit in der Vermittlungsarbeit

Ein Text in leichter Sprache macht die Ausstellung „Spielweisen. Was Blasmusik sein kann“ im Tirol Panorama nun niederschwellig erlebbar – ein Pilotprojekt, das ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zum barrierefreien Museum ist.

Die Tiroler Landesmuseen verfolgen in allen Bereichen das Konzept eines „Museums für alle“ – dies betrifft besonders den Aspekt der Barrierefreiheit, sowohl in architektonischer Hinsicht als auch, was die Vermittlung der Inhalte und Ausstellungen anbelangt. Dazu erklärt Katharina Walter, Leiterin der Kulturvermittlung der Tiroler Landesmuseen: „Wir arbeiten schon seit vielen Jahren an barrierefreien Projekten und Ideen und haben bereits einige spezielle Angebote in unserem Programm. Der Workshop ,Mitsinnen‘ wurde beispielsweise gemeinsam mit der Kunstgeragogin* Nina Mayer Wilhelm für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen entwickelt. Auch bieten wir Führungen für Gehörlose und Hörende an, die in Gebärdensprache übersetzt werden und bilden uns ständig fort, z.B. im Bereich sprachensensibler Vermittlung.“

* Geragogik ist die Wissenschaft und Praxis des Lernens im Alter, sie vereint Pädagogik und Gerontologie.

Zwei Frauen und ein Mann vor Exponaten
© TLM
Die Kulturvermittler*innen Manfred Schwarz und Monika Mazegger (re.) haben gemeinsam mit Kunstgeragogin Nina Mayer Wilhelm (Mitte) den Workshop „Mitsinnen“ für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen entwickelt.

„Spielweisen“ in leichter Sprache

Das neueste Angebot hat ebenfalls mit Sprache zu tun: Für die Ausstellung „Spielweisen. Was Blasmusik sein kann“, die im Tirol Panorama zu sehen ist, wurde ein Text in leichter Sprache verfasst: „Leichte Sprache folgt ganz klaren Regeln. So dürfen zum Beispiel keine zusammengesetzten Wörter verwendet werden, jeder Satz darf nur einen Inhalt vermitteln und es dürfen keine Fremdwörter vorkommen“, erklärt Monika Mazegger, Kulturvermittlerin und Expertin für leichte und einfache Sprache. „Leichte Sprache ist übrigens nicht gleichzusetzen mit einfacher Sprache – letztere folgt nicht ganz so strengen Regeln. Eine Führung in leichter Sprache ist beispielsweise kaum möglich, in einfacher Sprache aber sehr wohl“, ergänzt Monika Mazegger und weist auf die Reihe „Museum einfach erklärt!“ hin, in der sie auf Anfrage in einfacher Sprache und mit reduzierten Inhalten durch die Häuser der Tiroler Landesmuseen führt.

Vier Frauen bei einer Führung im Museum
© TLM/Fritz
Kulturvermittlerin Monika Mazegger führt auf Anfrage in einfacher Sprache durch die Tiroler Landesmuseen.

Kulturelle Teilhabe

„Unsere Angebote in leichter und einfacher Sprache richten sich aber nicht nur an Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, sondern auch an jene, die die deutsche Sprache erst lernen“, stellt Katharina Walter klar und ergänzt: „Unser Angebot geht somit auch klar in Richtung Interkulturalität!“ Das Team der Kulturvermittlung geht mit seinen Inklusions-Angeboten aktiv auf entsprechende Einrichtungen zu, wie Sprachlernkurse, Altenheime oder Behinderteneinrichtungen. „Damit wollen wir kulturelle Teilhabe für alle Menschen ermöglichen. Jeder soll in den Genuss der kulturellen Vielfalt kommen“, betont Monika Mazegger.

Laufender Entwicklungsprozess

Für das neue Ferdinandeum, das derzeit umgebaut wird, gibt es eine eigene Arbeitsgruppe, die sich mit Barrierefreiheit – baulich wie inhaltlich – beschäftigt. „Hinter der Entwicklung von inklusiven Angeboten stecken sehr viel Expertise, wissenschaftliche Erkenntnisse sowie Versuche und Prozesse auf verschiedenen Ebenen“, berichtet Katharina Walter. Als anschauliches Beispiel nennt sie das Projekt „Stuben anders sehen“ im Tiroler Volkskunstmuseum, das sich aus den früheren inklusiven Führungen „Feingefühlt“ für Blinde und Sehende heraus entwickelt hat und in das die Kulturvermittlung konzeptuell eingebunden war. Vor vier Jahren wurde begonnen, die  Stuben in Kooperation mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol (BSVT) barrierefrei zu erschließen. Sie sind durch taktile Grundrisse, ein Bodenleitsystem sowie taktile Handläufe gut erreichbar. Akustische Raumbeschreibungen und Taststationen machen die Geschichte und Funktion von Stuben nun seit eineinhalb Jahren mit vielen Sinnen erlebbar. „Barrierefreiheit ist in unserem Kontext ein ständiges Ausprobieren und ein laufender Prozess, bei dem wir auch stets intensiv im Austausch mit anderen Museen und einschlägigen Netzwerken, wie etwa der österreichweiten ARGE inklusives Museum, sind“, betont Monika Mazegger.

Stubeneingang mit Blindenleitsystem
© Wolfgang Lackner
Das taktile Leitsystem führt in die historischen Stuben des Tiroler Volkskunstmuseums.

 

Die Inklusions-Angebote der Tiroler Landesmuseen auf einen Blick:

Führungen „Museum einfach erklärt“

Mitsinnen

Stuben anders sehen

„Spielweisen. Was Blasmusik sein kann“ in leichter Sprache

Regelmäßig finden auch Führungen mit Gebärdensprache-Dolmetscher*innen durch ausgewählte Ausstellungen statt – informieren Sie sich dafür bitte im Veranstaltungskalender auf unserer Website.

Autorin

Mag.a Manuela Fritz

 
Manuela Fritz
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