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20.4.2022
6 min
Elisabeth Probst, M.A.

Von der Rolle

Am 22. April 2022 startet das Zeughaus mit einer Schau rund um Kino und Film in Tirol in die neue Ausstellungssaison.

Wussten Sie, dass es noch vor etwa 50 Jahren dreimal so viele Kinos in Innsbruck gab wie heute? Gut doppelt so lang hat es gedauert, damit aus schwarz-weißen Bewegtbildern ohne Ton Blockbuster mit allerlei Spezial- und Soundeffekten wurden. Die Filmlandschaft wandelt sich schnell und dennoch ist ihr Zauber für viele ungebrochen. Mit der neuen Ausstellung „… uuund Schnitt!“ ehrt das Zeughaus die Ära des Films, als er noch von der Rolle kam. Allerlei historische Objekte und sehenswerte Aufnahmen machen dabei gut ein Jahrhundert Filmgeschichte lebendig – und lassen nicht zuletzt einen Hauch Nostalgie aufkommen. Im Interview mit Claudia Sporer-Heis, Ausstellungsmacherin und Leiterin des Zeughauses, geben wir eine Vorschau auf die cineastische Zeitreise durch Tirol.

Mit der Ausstellung „… uuund Schnitt!“ steht das Zeughaus im Zeichen von Kino und Film. Welcher Stellenwert kommt der Branche heute in Tirol zu?

Claudia Sporer-Heis: Es kommt ganz darauf an, von welcher Seite man sie sieht: Von der Kinoseite her unterscheidet sich Tirol nicht weiter von anderen Regionen. Es gibt die Blockbuster, es gibt die Multiplex-Kinos, alles ist sehr zentriert auf die Städte. Von der touristischen Seite her sieht die Sache natürlich ganz anders aus. Mit der Gründung von Cine Tirol 1998 entstand speziell eine Anlaufstelle für externe Filmemacher, Stichwort: Bollywood, James Bond usw. Daraus entwickelte sich eine Einnahmequelle, die sehr stark touristisch geprägt ist.

Tirol wird bis heute als „Filmland“ bezeichnet. Wie kam es historisch betrachtet dazu? 

Sporer-Heis: Man hat Tirol als „Filmland“ bezeichnet, weil die Landschaft bei uns so schön ist. Historisch betrachtet hat das schon sehr früh angefangen, Anfang der 1930er-Jahre mit Berg- und Schisportfilmen. Schon damals hat man im Gebirge sehr gerne spektakuläre Aufnahmen gemacht. Es geht also in erster Linie um die Kulisse. Das ist genau der Ansatz, den wir heute noch haben: Es geht um die Landschaft, in die man sehr viel Film einbringen, in der man viel machen kann.

Die Ausstellung nimmt die Besucher*innen mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte von Kino und Film in Tirol. Was gibt es dabei zu sehen und zu erleben?

Sporer-Heis: Wir beschäftigen uns in der Ausstellung mit dem Film als er noch ein Film war. Der Rundgang beginnt in der Vorfilmzeit in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und reicht bis in die frühen 2000er- Jahre. Dazwischen reisen wir von der Stummfilm- zur Tonfilmzeit. Aus der Kinozeit speziell in den 1950er-Jahren gibt es interessante Dinge. Wir blicken auf Kinos und Filmemacher, Dokumentationen und Spielfilme, die Projektion und Produktion im Zeitverlauf. Gerade die technischen Geräte sind besonders interessant, weil man daran Dinge zeigen kann, die viele Leute heute gar nicht mehr kennen. So hat man in der Ausstellung zum Beispiel auch die Möglichkeit, zuzuschauen, wie ein Film geschnitten wurde. Und natürlich zeigen wir eine ganze Menge an informativen und sehenswerten Filmen.

Welche Meilensteine prägen die Kino- und Filmgeschichte hierzulande?

Sporer-Heis: Für Tirol muss ich hier auf den Wissenschaftler Simon Stampfer zurückgreifen. Er hat den stroboskopischen Effekt entdeckt, also den Grund, warum wir überhaupt einen Film sehen können, die sogenannte Nachbildwirkung auf dem Auge. Seine Entdeckung hat eine wesentliche Rolle gespielt – wobei es auch hier noch den Belgier Joseph Plateau gab, der diesen Effekt etwa zur selben Zeit entdeckt hat. Circa 80 Jahre später ging es los mit richtigen Spielfilmen, wie zum Beispiel 1913 mit dem sogenannten Speckbacher- Film „Die Räuberbraut“. Das ist ein abendfüllender Spielfilm, natürlich noch ohne Ton, den man für unsere Region schon zu den Besonderheiten zählen kann. Gerade das Thema Andreas Hofer zieht sich weiterhin durch, bis der Erste Weltkrieg seine Spuren im Filmgeschehen hinterlässt. In der Zwischenkriegszeit kam mit Luis Trenker ein sehr bekannter Filmemacher, in erster Linie für Südtirol aber auch für Tirol hinzu. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden wieder Spielfilme vor allem im Filmstudio Thiersee gedreht, aber es entstanden auch ganz tolle Dokumentarfilme, die heute wichtige historische Quellen darstellen.

Gibt es ein persönliches Lieblingsobjekt, das in der Ausstellung zu sehen sein wird?

Sporer-Heis: Die Kinokasse aus dem Nonstop-Kino in der Maria-Theresien-Straße. Sie ist für mich eine Kindheitserinnerung. Ich habe sie selber erlebt, als man dort die Kinokarten gekauft hat. Jahre später haben wir im Museum die Nachricht bekommen, dass das Kino geschlossen wird. Wir haben sofort reagiert und ich war vor Ort mit dabei, als wir die Kasse gemeinsam mit der Leuchtschrift an der Hausfassade abgebaut und -transportiert haben. Der schwarze Rand der Schrift war noch ewig zu sehen.

Welchen Film aus der Tiroler Filmlandschaft sollte man auf jeden Fall gesehen haben?

Sporer-Heis: Wenn ich von Spielfilmen spreche, gefällt mir persönlich der „Raffl“-Film besonders gut. Auch „Mautplatz“ und „Hanna Monster, Liebling“ sind sehr sehenswerte Filme. Christian Berger ist ein herausragender Filmemacher. Film ab! Noch mehr Film und Kino gibt’s von 1. Juni bis 29. September 2022, wenn der Kultursommer im Zeughaus zu Leinwanderlebnissen unter freiem Himmel lädt.

Plakat zum Non-Stop-Kino in der Maria-Theresie-Straße 53 in Innsbruck
© TLM
Plakat zum Non-Stop-Kino in der Maria-Theresie-Straße 53 in Innsbruck
Standbild aus dem Film „Winter in Tirol“ von Theo Hörmann, 1967
© Filmarchiv Walter Hörmann, Mils
20.4.2022
Elisabeth Probst, M.A.

Von der Rolle

Am 22. April 2022 startet das Zeughaus mit einer Schau rund um Kino und Film in Tirol in die neue Ausstellungssaison.

Autor*in

Elisabeth Probst, M.A.

 
Elisabeth Probst
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