Königliches Spiel
Ein Gesandter des Papstes Urban VIII. am englischen Königshof berichtet von einem Gesellschaftsspiel, das König Jakob I. (reg. 1603 – 1625) dort abgehalten hat. Der König lud dazu Angehörige der Elite des Reiches in seine Gemäldegalerie, um vor den dort ausgestellten Werken gelehrte Gespräche über die daran vorgenommenen Künstlerzuschreibungen zu führen.
Eine Einladung zu diesem königlichen Spiel war naturgemäß sehr begehrt. Was die mit einer Einladung Geehrten freilich nicht wussten und erst nach ihrer Ankunft in der Galerie zu ihrem Entsetzen gewahrten, war, dass Jakob I. zuvor die Objektschilder mit den Künstlernamen von den Gemälderahmen hatte entfernen lassen. Die Teilnehmer an dem Spiel sahen sich nur mehr in einem aller schriftlichen Festlegungen entblößten Raum allein der Sprache der Kunst ausgesetzt. Anstelle angelesener Gelehrtheit war somit kennerschaftliches Einfühlungsvermögen von den Mitspielern gefragt. Der König konnte sich auf diese Weise ein Bild der freien Urteilskraft seiner Gäste machen.
Internationale Zusammenarbeit
Zu niemandes Unbehagen, aber unser aller Freude sind rund 30 internationale Kenner*innen unserer Einladung gefolgt, den weitgehend unerschlossenen Bestand italienischer Altmeister-Zeichnungen der Tiroler Landesmuseen zu sichten und mit ihren Künstlerzuschreibungen zu versehen. Die in dieser Sammlungspräsentation sowie einem diese begleitenden Katalog der Öffentlichkeit übergebenen Zuschreibungen beruhen in den meisten Fällen auf einer kennerschaftlichen Beurteilung des Stiles, in dem Zeichnungen ausgeführt sind.