Übersicht (1998)
Gerhard Richters Arbeit „Übersicht“ von 1998, die in der Ausstellung gezeigt wird, listet als kulturhistorisches Who’s Who die Namen von Künstlern, Architekten, Philosophen, Komponisten und Schriftstellern auf. Im übertragenen Sinne kann diese „Übersicht“ wie die handschriftliche Devise von Pablo Picasso auf einer seiner Zeichnungen gelesen werden: „Ich habe die Tradition durchquert, wie ein guter Schwimmer einen Fluss, in dem die Mitglieder der Akademie alle ertrunken sind“, die ursprünglich eine Feststellung von Gustave Courbet war. Die „Übersicht“ von Gerhard Richter als subjektive Auswahl von Namen aus der Kulturgeschichte spielt auch auf die von André Malraux in seinem Buch „Le Musée imaginaire“ formulierte These an, nach der ein modernes Kunstwerk eine Fülle älterer Werke in sich wiedererstehen lasse. Gerhard Richters „Übersicht“ zeigt als modernes Kunstwerk einen repräsentativen Querschnitt von künstlerischen Vorbildern als Inspirationsquelle, die jede Künstlerin und jeder Künstler als kreative Rezeption in seiner Bildsprache assimilieren und für sein „KunstwerkWerden“ motivisch, stilistisch und thematisch für sein eigenes Œuvre nutzen kann.